Drei Abenteurer unterwegs

Hallihallo ihr Lieben!
Nach schon wieder etwas längerer Pause melde ich mich auch mal wieder und habe natürlich viel zu berichten. Deswegen hier nun eine (möglichst) kurze Zusammenfassung der epischen Geschichte einer weiten Reise, bestritten mit verschiedensten Fortbewegungsmitteln und bereichernden Weggefährten:
Am 01. Januar 2019 standen die drei Prinzessinnen nach einer durchtanzten Nacht gegen 10 Uhr morgens auf, packten alle ihre sieben Sachen ein und waren 2.30pm bereit zur Abfahrt.In Kalimpong Town, dem Startpunkt dieses Abenteuers, hatte ich spontan noch die grandiose Idee, Momos als Proviant zu erwerben, bevor unser Bus nach Siliguri abfuhr und wir die heißgeliebten Berge für drei lange Wochen verließen. Diese erste Etappe dauerte vier statt der erhofften zwei Stunden, doch wir hatten genug Zeit eingeplant und waren noch voller Vorfreude, die sich während der ersten TukTuk-Fahrt hier in Indien dann noch mehr steigerte.Bahnhof NJP in SiliguriAm Bahnhof New Jalpaiguri (NJP) angekommen, versorgten wir uns mit Obst und die Menschen vor Ort mit Ukulelenspiel und Gesang. Nach einigen Stunden des Wartens kam der Zug dann endlich an und ich freute mich schon darauf, mich von den letzten stressigen Tagen über Nacht erholen zu können, als uns der Schaffner etwas gereizt darauf hinwies, dass unsere Tickets nicht bestätigt seien und folglich auch kein Platz für uns im Zug vorgesehen wäre. So standen wir also an einem fremden Ort, irgendwo in Indien sehr bedröppelt und müde in der Nacht rum und schauten „unserem“ Zug bei der Abfahrt ohne uns zu. Es war niemand zu erreichen und so wandten wir uns ratlos an einen anderen Passagier, dessen Ticket ebenfalls nicht confirmed war. Dieser Retter in der Not schaffte es, uns in einem beheizten Warteraum unterzubringen und besorgte uns auf magische Weise (und mit etwas Bestechungsgeld) Tickets für einen anderen Zug, der morgens um zwei Uhr abfuhr. Darin schlief ich auch wie ein Stein und am Bahnhof in Kolkata holte uns dann gegen Mittag Paul ab.Wir aßen, schlenderten über den local market und tauschten uns über die vergangenen Tage und viele andere Dinge aus.„Fußgängerzone“ in KolkataWas soll ich sagen, ich hatte absolut einen Kulturschock von diesem Indien, das so total anders ist, als das, welches ich die letzten fünf Monate vorher schon kennen lernen durfte. Alles war auf einmal ein bisschen zu groß, zu laut, generell zu viel, aber schlussendlich habe ich mich dann doch kopfüber in diese neue Herausforderung gestürzt. Am nächsten Morgen fuhren Lydia und ich mit dem Zug weiter nach Chennai, zwar hatten wir nicht die gewünschten zwei Betten, sondern teilten uns eines, aber immerhin waren wir unterwegs! In der Nacht war es mir auf Grund des Platzmangels dann aber irgendwie unmöglich, Schlaf abzubekommen. Das sah wohl unser Sitznachbar und bestand darauf, uns sein Bett abzugeben, damit wir uns nicht weiter quälen. Ab da habe ich, glaube ich, angefangen, meine Liebe für Indien und seine Bewohner stark zu prägen. Besagter Sitznachbar war Sohn und vermutlich ganzer Stolz seiner kleinen Familie, die da neben uns ihren Platz hatten. Er ist 18 Jahre alt und jetzt schon Ingenieur, obwohl er auch noch studiert. Die Familie kommt aus Kolkata, aber er hat ein Jobangebot in Chennai bekommen und so etwas schlägt man wohl nicht aus. Mit ihm habe ich mich über das indische und deutsche Schulsystem im Vergleich, sowie über Politikdifferenzen und Kulturunterschiede unterhalten. Es ist so traurig, dass man hier seine Lebensumstände nur durch eine sehr teure, private und deshalb gute Bildung verbessern kann..
So überstanden wir die 27h Zugfahrt letztendlich jedenfalls doch noch ganz gut und wurden in Chennai schon von Samira erwartet. Das Loyola-College, in welchem wir die nächste Nacht verbrachten, steht in einem riesigen Campus, der quasi eine Oase im Herzen Chennais bildet.Die Kirche im Herzen des College Campus’Sehr gespannt nach einem guten Schlaf machten wir uns am nächsten Tag auf nach Kuppayanallur. Erst mit einer Regionalbahn im Frauenabteil, dann einem Linienbus und schließlich mit einem Auto ging es in die ländliche Region Tamil Nadus.Es war sehr schön, Samira wiederzusehen und auch miterleben zu können, wie ihr Freiwilligendienst so aussieht. Sie arbeitet an einer English Medium School und Unterrichtet pro Tag eine Stunde Englisch, doch ihre Hauptaufgabe liegt in der Betreuung „ihrer Mädels“ im Hostel. Sie spielt, lernt, lacht und lebt mit Ihnen und schenkt ihnen unglaublich viel Aufmerksamkeit, die die Mädchen wohl sonst nie bekommen würden. Es ist bemerkenswert, mit wie viel Hingabe sie sich ihrer Aufgabe verschrieben hat und wie gut sie in ihrer, in meinen Augen doch relativ eingeschränkten Position als junges Mädchen im konservativen Indien klarkommt und in der Kultur und ihrer Arbeit aufgeht. Falls euch Samiras Arbeit noch mehr interessiert, möchte ich euch hier wärmstens ihren Blog empfehlen! Ihre Schützlinge sind aber tatsächlich absolut zum Liebhaben und diese Woche voller Sonne, Obst, tamilischer Musik und Sprache und dem Austausch auf Deutsch ging unglaublich schnell vorbei.Die wichtigste Erkenntnis lautet übrigens: „Man kann immer noch Granatäpfel kaufen.“
Zum Abschied fuhren wir gemeinsam ans Meer nach Mahabalipuram, von Kuppayanallur drei Busstunden entfernt, aber dann hatte Samira leider nur noch eine halbe Stunde Zeit, sich den Ort mit uns anzuschauen. Immerhin genug, um ganz kurz den sehr alten Felsentempel und eine Felswand, in die sehr schöne Reliefs gehauen sind, sowie „Shivas Butterball“ zu begutachten und ein Eis zu essen!„Shivas Butterball“Die meiste Zeit verbrachten Lydia und ich am Meer, auf Felsen, an denen die Wellen zerbarsten. Im Sand und Wasser waren hunderte von rot gekleideten Indern (offenbar hinduistische Pilgerer) baden, Bilder machen und lachen.Wir fuhren zurück nach Chennai, übernachteten noch einmal im Loyola College und fuhren über die nächste Nacht im spontan gebuchten Semisleeperbus, da unser Zug mal wieder nicht confirmed war, von der Ost- an die Westküste Indiens.
Am nächsten Vormittag zufälligerweise schon in Palolem und nicht erst in Panjim ausgestiegen, setzten wir uns in ein Restaurant am Strand, aßen Burger und schauten aufs Meer. Außerdem warteten wir darauf, dass sich die anderen – Hannah, Paul und drei Freiwillige in Bhopal – melden würden. Das taten sich nach einer Weile auch und dann kamen wir ins Hostel, dessen Adresse und Namen wir vorher nicht kannten.Der ganze Urlaub in Goa war schön, aber ich glaube am allerschönsten waren der erste und der letzte Abend. Am Ersten saßen wir alle zusammen in einem Restaurant am Strand mit den Füßen im Sand, meine Bhainee wieder bei mir und drei andere nette Leute kennengelernt. Es gab gutes Essen und ich fühlte mich zwar wie in einer seltsam westlichen Blase, aber trotzdem sehr wohl da. Genau dieses Gefühl begleitete mich die ganze Woche in Goa, eine gute kleine „Indienauszeit“.
Von Palolem ging es nach ein paar Tagen in die Hauptstadt nach Panjim, wo wir Märkte besuchten und Sightseeing machten. Als Abschluss unseres Goa-Aufenthalts kauften wir uns zwei Familienpizzen und verbrachten den Abend am Strand, tanzten in der Nachtluft durch die Wellen und genossen den Moment 😉Dann hieß es wieder „Zugfahren“, wieder nur so halb confirmed, also eine Nacht zu dritt in einem Bett. Aber auch die daraus folgende Müdigkeit hielt uns nicht davon ab, die 24 Stunden in Mumbai voll auszukosten. Wir bestaunten die britische Architektur der Central Railway Station, aßen ein Mumbai-Sandwich und pani puri, testeten Drachenfrucht und stuften sie als nicht-sehr-essenswert ein, machten uns auf zum Gateway of India, wo wir eine Stunde lang als interessanteres Fotoobjekt als das eigentliche Denkmal abgelichtet wurden, obwohl wir doch nur in Ruhe unsere Granatäpfel vertilgen wollten, fuhren mit einer Fähre durch den Hafen und spazierten während des Sonnenuntergangs den Marine Drive entlang.
Die darauf folgende 35 stündige Zugfahrt wollte uns vielleicht für alle Vorangegangenen entschädigen, wir wurden von der 3.ten in die 2.t Klasse hochgestuft, hatten eine „Kabine“ mit vier Betten, die man mit einem Vorhang abtrennen konnte und jeder sein eigenes Bett. Die Stunden flogen dahin und wir kamen unserem Zuhause immer näher…

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